Die Geburt


Die Geburt war dann doch nicht so einfach, wie es zunächst ausgesehen hatte. Mit dem plötzlichen Tod von Heinz Nordhoff am 12.04.1968 kamen gleichzeitig Probleme auf. Der VW-Nachfolger Kurt Lotz konnte sich nicht mit den zuvor getroffenen mündlichen Absprachen zwischen Ferry Porsche und Heinz Nordhoff einverstanden erklären. Er befürwortete lediglich den eigentlich bestehenden Vertrag des Auftrages an PORSCHE mit der Konstruktion eines Sportwagens für VOLKSWAGEN. Demnach gäbe es den VW-PORSCHE 914 nur unter dieser Bezeichnung und unter Aufsicht von VW. Das mündliche Recht von PORSCHE, eine Sechszylinder-Version unter dem Namen PORSCHE zu vertreiben, wurde nun von VW abgelehnt.

Kurt Lotz hatte den Titel eines Honorarprofessors, und als maßgebliche Person war er an der Entwicklung und Produktion des VW Golf I, des Audi 80 und des Passat Typ 32/33 beteiligt. Für VOLKSWAGEN durch seinen geradlinigen Charakter eine ideale Besetzung, stellte er damit gleichzeitig die Weichen für den VW-PORSCHE 914 völlig neu.

Ferry Porsche sah in dem neuen VW-PORSCHE 914/6 eine Bedrohung seiner eigenen Käuferschicht. Im Gegenzug begann er mit der Überlegung, seinen erfolgreichen 911 in abgespeckter Version auf den Markt zu bringen. Das Ergebnis war der PORSCHE 912. Auf den ersten Blick äußerlich kaum vom 911 zu unterscheiden, wurde ihm unter anderem jedoch der 4-Zylinder Motor mit erheblich weniger Leistung zugeteilt, welcher mit Unterstützung weiterer Teile aus den VW-Regalen den Kaufpreis deutlich drücken konnte. Der PORSCHE 912 wurde zwar akzeptiert, die Verkaufszahlen lagen jedoch weit unter den Erwartungen. Der 914/6 geriet andererseits viel zu teuer. Mit knapp 20000,- DM lag er nur wenige 100,- DM unter dem Preis des aktuellen 911, sodaß die Bedenken bezüglich der Bedrohung des 911 seitens Porsche unbegründet blieben. Die Einstellung der Produktion des 912 als Notlösung war deshalb nur eine Frage der Zeit.

Auch Kurt Lotz erkannte nun, daß die Bezeichnung VW-PORSCHE dem Image des Fahrzeuges gerade in den USA schaden könnte. Nach einigem Hin und Her konnte die Produktion dann starten.

Man einigte sich darauf, daß der Wagen in allen Ausführungen in den USA als reiner PORSCHE 914 verkauft werden sollte, während in den restlichen Ländern zwei Versionen angeboten wurden. Den besagten 914/4 unter der Bezeichnung VW-PORSCHE 914 und den 914/6 unter der Bezeichnung VW-PORSCHE 914/6. Die Eintragungen des Herstellers in den Fahrzeugbriefen wurden jedoch entsprechend in VW und PORSCHE unterteilt.

Im Jahr 1969 wurde der VW-PORSCHE 914 und 914/6 auf der internationalen Automobilausstellung vorgestellt. Die Produktion begann noch im gleichen Jahr.

Lotz legte 1971 sein Amt als Vorstandsvorsitzender der VOLKSWAGEN AG nieder. Nachfolger wurde Rudolf (Rolf) Leiding, welcher bereits nach drei Wochen im Amt ein anderes Projekt mit PORSCHE stoppte.

Der Typ EA 266 - ebenfalls ein Mittelmotor-Projekt und von manchen als geheimer Vorgänger des VW Golf bezeichnet - fiel kurz vor seiner Serieneinführung wegen der zu hohen Produktionskosten dem Rotstift zum Opfer.
Ebenfalls abgesetzt wurden der VW 1600 Typ 3, sowie der VW 411 / 412. Leiding konzentrierte sich stattdessen auf Neuentwicklungen wie den Audi 50, VW Polo und VW Scirocco. Dem VW-PORSCHE 914 verschaffte dies bis zum Amtsende von Rudolf Leiding im Jahr 1975 etwas Luft.

EA 266 - ein weiteres VW-PORSCHE Gemeinschaftsprojekt

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